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Gestellungsverträge: Wie Mitglieder von Schwesternschaften in Kliniken arbeiten

  • Rubrik: Pflegetradition
  • 7 Quellen, im Text verlinkt

Auf einen Blick

Ein Gestellungsvertrag regelt, dass eine DRK-Schwesternschaft ihre Mitglieder an eine Klinik „stellt“. Die Pflegekraft arbeitet im Krankenhaus oder in der Pflegeeinrichtung. Sie bleibt aber Mitglied der Schwesternschaft und wird von ihr bezahlt. Der Wikipedia-Artikel zur DRK-Schwesternschaft nennt Gestellungsverträge deren Hauptgeschäftsfeld. Er vergleicht das Modell mit Leiharbeit (Stand: Oktober 2026, de.wikipedia.org/wiki/DRK-Schwesternschaft).

Wie funktioniert ein Gestellungsvertrag konkret?

Bei einem Gestellungsvertrag setzt die Schwesternschaft Pflegekräfte in einer Einrichtung ein. Die Einrichtung erstattet dafür die Personalkosten. Ein Beispiel ist der Fall, den das Bundesarbeitsgericht am 21. Februar 2017 entschied (Az. 1 ABR 62/12). Dort zahlte eine Klinik der DRK-Schwesternschaft Essen die Bruttopersonalkosten plus 3 Prozent Verwaltungspauschale. Das Personal unterlag den fachlichen und organisatorischen Weisungen der Klinik. Es galten dieselben Arbeitszeitregeln wie für die eigenen Beschäftigten der Klinik (Stand: Oktober 2026, bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/1-abr-62-12/).

Mitglieder einer DRK-Schwesternschaft erhielten nach der Mitgliederordnung von 2006 eine monatliche Vergütung. Sie richtete sich nach den für die jeweilige Tätigkeit üblichen Kriterien. Dazu kamen Zulagen, Haftpflicht-Versicherungsschutz und eine Anwartschaft auf ein zusätzliches Ruhegeld. Sozial- und Arbeitslosenversicherung richteten sich nach dem Gesetz. Diese Mitgliederordnung zitiert der Beschluss des Bundesarbeitsgerichts von 2017 (Stand: Oktober 2026, bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/1-abr-62-12/).

Waren Rotkreuzschwestern Arbeitnehmerinnen?

Rotkreuzschwestern galten lange nicht als Arbeitnehmerinnen ihrer Schwesternschaft. So sah es die langjährige Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts. Der Grund: Sie arbeiteten auf Grundlage ihrer Vereinsmitgliedschaft. Ihre Ansprüche richteten sich nach der Mitgliedsordnung. Für Streit war ein internes Schiedsgericht zuständig. Das fasst der Wikipedia-Artikel zur DRK-Schwesternschaft zusammen. Er gibt auch die Kritik des Deutschen Gewerkschaftsbunds an diesem Modell wieder (Stand: Oktober 2026, de.wikipedia.org/wiki/DRK-Schwesternschaft).

Was hat der Europäische Gerichtshof 2016 entschieden?

Der Europäische Gerichtshof entschied am 17. November 2016, dass die EU-Leiharbeitsrichtlinie auch für Rotkreuzschwestern gelten kann. Es ging um die Rechtssache C-216/15 und die Richtlinie 2008/104/EG. Sie gilt, wenn ein Verein ohne Erwerbszweck ein Mitglied gegen Entgelt an ein Unternehmen überlässt. Das Mitglied muss dort hauptberuflich, unter dessen Leitung und gegen Vergütung arbeiten. Das gilt auch, wenn es nach nationalem Recht kein Arbeitnehmer ist. Den Wortlaut des Urteils gibt der Beschluss des Bundesarbeitsgerichts wieder (Stand: Oktober 2026, bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/1-abr-62-12/).

Was folgte daraus für die Gestellung?

Das Bundesarbeitsgericht entschied am 21. Februar 2017: Auch eine Gestellung kann Arbeitnehmerüberlassung sein. Das gilt, wenn ein Verein im Rahmen seiner wirtschaftlichen Tätigkeit ein Mitglied überlässt. Das Mitglied arbeitet dann weisungsabhängig gegen Entgelt. Und es ist ähnlich wie ein Arbeitnehmer sozial geschützt. Im konkreten Fall durfte der Betriebsrat der Klinik seine Zustimmung zum Einsatz einer DRK-Schwester verweigern (Stand: Oktober 2026, bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/1-abr-62-12/).

Die Gestellungs-Urteile hatten für einzelne Schwesternschaften erhebliche Folgen. Laut Wikipedia stellte die Schwesternschaft in Coburg Ende Januar 2017 einen Insolvenzantrag. Zuvor waren 500 Schwestern in eine Festanstellung beim Klinikum gewechselt. Das Universitätsklinikum Essen kündigte seinen Gestellungsvertrag zum 30. September 2018. Fast 1.000 Schwestern nahmen dort das Angebot einer direkten Anstellung an (Stand: Oktober 2026, de.wikipedia.org/wiki/DRK-Schwesternschaft).

Was regelt das DRK-Gesetz heute?

Für die Gestellung von Rotkreuzschwestern gilt heute das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz mit zwei Ausnahmen. Das bestimmt § 2 Abs. 4 des DRK-Gesetzes. Ausgenommen sind § 1 Abs. 1 Satz 4 und Abs. 1b des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. Außerdem gilt die Gestellung nicht als Arbeitnehmerüberlassung im Sinne des Aufenthaltsgesetzes (Stand: Oktober 2026, gesetze-im-internet.de/drkg_2008/__2.html).

Das DRK-Gesetz nimmt für die Gestellung die Vorschriften zur Höchstdauer aus. Normalerweise ist eine Überlassung nur vorübergehend erlaubt. Derselbe Leiharbeitnehmer darf höchstens 18 aufeinanderfolgende Monate beim selben Entleiher arbeiten (Stand: Oktober 2026, gesetze-im-internet.de/a_g/__1.html). Für Rotkreuzschwestern gilt diese Grenze nicht. Eine dauerhafte Gestellung an dieselbe Klinik bleibt damit möglich (gesetze-im-internet.de/drkg_2008/__2.html).

Wie läuft die Ausbildung bei einer Schwesternschaft?

Eine DRK-Schwesternschaft kann Träger der praktischen Pflegeausbildung sein. Das erlaubt § 2 Abs. 5 des DRK-Gesetzes. Die Einsätze finden dann in der Einrichtung statt, in der der größte Teil der praktischen Ausbildung liegt. Dort gelten die Auszubildenden für die ganze Ausbildung als Arbeitnehmer im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes. Sie erhalten mindestens die Ausbildungsbedingungen, die dort für vergleichbare Auszubildende gelten (Stand: Oktober 2026, gesetze-im-internet.de/drkg_2008/__2.html). Für das Pflegestudium gilt nach § 2 Abs. 6 dasselbe (gesetze-im-internet.de/drkg_2008/__2.html).

Wo arbeiten Rotkreuzschwestern?

Rotkreuzschwestern arbeiten laut ihrem Dachverband in der Versorgung, im gesundheitlichen Bevölkerungsschutz und bei humanitären Einsätzen (Stand: Oktober 2026, rotkreuzschwestern.de). Laut Wikipedia betreiben DRK-Schwesternschaften auch eigene Einrichtungen. Dazu gehören Krankenhäuser, stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und Pflegeschulen (de.wikipedia.org/wiki/DRK-Schwesternschaft).

In Sachsen führen der DRK-Landesverband und der Verband der Schwesternschaften gemeinsam zwei Krankenhäuser. Sie stehen in Chemnitz-Rabenstein und Lichtenstein (Stand: Oktober 2026, drksachsen.de/ueber-das-drk/einrichtungen). Betreiberin beider Häuser ist die DRK Gemeinnützige Krankenhaus GmbH Sachsen (drk-khs.de). Offene Stellen veröffentlichen diese Einrichtungen selbst. Pflegewege Sachsen vermittelt keine Stellen.

Woher kommt das Modell?

Das Gestellungsmodell hat seine Wurzeln im Mutterhaus-Prinzip. Die frühen Rotkreuz-Schwesternschaften bildeten Pflegerinnen aus, brachten sie gemeinsam unter und versorgten sie. Diese Organisationsform übernahmen sie aus der kirchlichen Krankenpflege (Stand: Oktober 2026, de.wikipedia.org/wiki/DRK-Schwesternschaft). Mehr dazu auf der Seite Das Mutterhaus.

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