Die sieben Rotkreuz-Grundsätze und was sie für die Pflege bedeuten
- Rubrik: Pflegetradition
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Auf einen Blick
Die Rotkreuz-Bewegung folgt sieben Grundsätzen: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) nennt sie einen ethischen, operativen und institutionellen Rahmen. Sie verbinden alle Teile der Bewegung: das IKRK, die nationalen Gesellschaften und die Internationale Föderation (Stand: Oktober 2026, icrc.org/en/our-fundamental-principles).
Wann wurden die Rotkreuz-Grundsätze beschlossen?
Die sieben Rotkreuz-Grundsätze wurden 1965 in Wien proklamiert. Das geschah auf der XX. Internationalen Rotkreuzkonferenz. Der heutige, angepasste Wortlaut steht in den Statuten der Bewegung. Diese Statuten nahm die XXV. Internationale Rotkreuzkonferenz 1986 in Genf an. So erläutert es das Deutsche Rote Kreuz auf den Seiten eines sächsischen Kreisverbands (Stand: Oktober 2026, drk-chemnitzer-umland.de/das-drk/selbstverstaendnis/grundsaetze.html). Das Britische Rote Kreuz ergänzt: In die Grundsätze flossen die Erfahrungen aus den ersten hundert Jahren der Bewegung ein (redcross.org.uk/about-us/what-we-stand-for).
Das Deutsche Rote Kreuz ist gesetzlich an die Rotkreuz-Grundsätze gebunden. Nach § 1 des DRK-Gesetzes ist es die Nationale Gesellschaft des Roten Kreuzes in Deutschland. Dieselbe Vorschrift verpflichtet es, die Grundsätze der Bewegung zu beachten (Stand: Oktober 2026, gesetze-im-internet.de/drkg_2008/__1.html).
Was bedeuten die sieben Grundsätze?
Menschlichkeit heißt im Rotkreuz-Sinn, menschliches Leiden überall zu verhüten und zu lindern. Der Grundsatz will Leben und Gesundheit schützen und der Würde des Menschen Achtung verschaffen. Unparteilichkeit heißt, nicht nach Nationalität, Rasse, Religion, sozialer Stellung oder politischer Überzeugung zu unterscheiden. Geholfen wird allein nach dem Maß der Not, die dringendsten Fälle zuerst (Stand: Oktober 2026, drk-chemnitzer-umland.de/das-drk/selbstverstaendnis/grundsaetze.html).
Neutralität heißt im Rotkreuz-Sinn, sich nicht an Feindseligkeiten zu beteiligen. Auch an politischen, rassischen, religiösen oder ideologischen Auseinandersetzungen nimmt die Bewegung nie teil. So bewahrt sie das Vertrauen aller. Unabhängigkeit heißt: Die nationalen Gesellschaften helfen den Behörden und unterliegen den Landesgesetzen. Sie müssen aber eigenständig genug bleiben, um jederzeit nach den Grundsätzen zu handeln (Stand: Oktober 2026, drk-chemnitzer-umland.de/das-drk/selbstverstaendnis/grundsaetze.html).
Freiwilligkeit steht im Rotkreuz-Sinn für uneigennützige Hilfe ohne Gewinnstreben. Einheit heißt, dass es in jedem Land nur eine nationale Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft gibt. Sie muss allen offenstehen und im ganzen Land tätig sein. Universalität heißt, dass die Bewegung weltumfassend ist. Alle nationalen Gesellschaften haben gleiche Rechte und die Pflicht, einander zu helfen (Stand: Oktober 2026, drk-chemnitzer-umland.de/das-drk/selbstverstaendnis/grundsaetze.html).
Woher kommt der Gedanke der unterschiedslosen Hilfe?
Der Gedanke, Verwundeten ohne Unterschied zu helfen, geht auf Henry Dunant zurück. Dunant erlebte 1859 die Folgen der Schlacht von Solferino. Mit Einheimischen versorgte er Verwundete ungeachtet ihrer Nationalität. In seinem Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ forderte er freiwillige Hilfsgesellschaften für die Pflege Verwundeter. So schildert es die Geschichtsseite des DRK (Stand: Oktober 2026, drk-chemnitzer-umland.de/das-drk/selbstverstaendnis/geschichte.html). Das IKRK beschreibt die Bewegung ebenso: Sie entstand aus dem Wunsch, Verwundeten auf dem Schlachtfeld ohne Diskriminierung zu helfen (icrc.org/en/our-fundamental-principles).
Was haben die Grundsätze mit Pflege zu tun?
Die Rotkreuz-Grundsätze und die Berufsethik der Pflege überschneiden sich bei Unparteilichkeit und Menschenwürde. Das Pflegeberufegesetz verlangt Pflege auf Grundlage einer professionellen Ethik. Pflege soll den sozialen, kulturellen und religiösen Hintergrund der Menschen berücksichtigen. Sie soll deren Recht auf Selbstbestimmung achten (§ 5 Abs. 2 PflBG, Stand: Oktober 2026, gesetze-im-internet.de/pflbg/__5.html). In der Ausbildung soll ein ethisch fundiertes Pflegeverständnis entstehen (§ 5 Abs. 4 PflBG, gesetze-im-internet.de/pflbg/__5.html).
Der Ethikkodex des International Council of Nurses (ICN) gilt weltweit als Standard für Pflegende. Der ICN nahm ihn erstmals 1953 an. Die überarbeitete Fassung von 2021 berücksichtigt Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie. Sie liegt auch auf Deutsch vor (Stand: Oktober 2026, icn.ch/resources/publications-and-reports/icn-code-ethics-nurses). Der Kodex gilt für alle Pflegenden, ob sie einer Schwesternschaft angehören oder nicht.
Der Verband der Schwesternschaften vom DRK verbindet nach eigener Darstellung professionelle Pflege mit den Werten des Roten Kreuzes. Er spricht dabei von „gelebter Menschlichkeit“ (Stand: Oktober 2026, rotkreuzschwestern.de/schwesternschaften.html). Wie eine einzelne Schwesternschaft das in ein Leitbild fasst, legt sie selbst fest.
Gelten die Grundsätze auch im Krankenhausalltag?
Die Rotkreuz-Grundsätze werden auch für sächsische DRK-Kliniken ausdrücklich genannt. Der DRK-Landesverband Sachsen und der Verband der Schwesternschaften führen gemeinsam die Krankenhäuser in Chemnitz-Rabenstein und Lichtenstein. Laut Landesverband folgt deren Arbeit den Grundsätzen des Roten Kreuzes. Er nennt Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Menschlichkeit (Stand: Oktober 2026, drksachsen.de/ueber-das-drk/einrichtungen).
Warum war Neutralität nicht immer selbstverständlich?
Der Neutralitätsgrundsatz wurde im Deutschen Roten Kreuz schon einmal abgeschafft. Laut Wikipedia besetzten Nationalsozialisten 1933 alle wichtigen Positionen im DRK. Per neuer Satzung strichen sie die Neutralität. 1937 wurden die selbstständigen Rotkreuzvereine aufgelöst, auch die Schwesternschaften. Sie gingen in einer Einheitsorganisation auf (Stand: Oktober 2026, de.wikipedia.org/wiki/DRK-Schwesternschaft). Wie es danach in Sachsen weiterging, beschreibt die Seite zur Geschichte der Rotkreuz-Pflege in Sachsen.
Quellen dieser Seite
- icrc.org/en/our-fundamental-principles
- drk-chemnitzer-umland.de/das-drk/selbstverstaendnis/grundsaetze.html
- redcross.org.uk/about-us/what-we-stand-for
- gesetze-im-internet.de/drkg_2008/__1.html
- drk-chemnitzer-umland.de/das-drk/selbstverstaendnis/geschichte.html
- gesetze-im-internet.de/pflbg/__5.html
- icn.ch/resources/publications-and-reports/icn-code-ethics-nurses
- rotkreuzschwestern.de/schwesternschaften.html
- drksachsen.de/ueber-das-drk/einrichtungen
- de.wikipedia.org/wiki/DRK-Schwesternschaft